Kaum Häuser und immer weniger Wohnungen am See

Kärnten. Der Neubau von Luxuswohnanlagen wird immer kritischer beäugt.

Sommer, Party, Badespaß: Mit dem richtigen Budget sollte das Leben am Wörthersee doch eigentlich eine nicht endende Kette von Sonnenbädern, Bootspartien und schönen Festen sein – idealerweise auch gleich auf beziehungsweise vom eigenen Grund aus. Ganz so einfach ist die Lage für Kaufwillige derzeit aber nicht, denn zum klassisch geringen Angebot an Häusern mit Seezugang kommen inzwischen drohende Baustopps und Änderungen der Bauordnung. Und die treiben die Preise für bereits bewilligte Neubauprojekte in Sachen Luxuseigentumswohnungen noch einmal kräftig in die Höhe.

Solide Wertzuwächse

Wer vor zehn Jahren gekauft hat, kann sich heute oft über eine Verdoppelung des Wertes freuen – auch aufgrund der sich wandelnden Einstellung in Sachen Bauboom auf den letzten Ufergründen. Denn die Zahl der dort entstandenen Luxus-Wohnanlagen – die einerseits nicht immer eine Augenweide sind und andererseits den Seezugang für normal betuchte Anwohner immer mehr eingeschränkt haben – hat in der Öffentlichkeit für wachsenden Unmut gesorgt. Auf den reagiert die Politik jetzt mit vorübergehenden Baustopps – etwa in der Veldener Bucht – oder Gedankenspielen hinsichtlich Änderungen der Bauordnung. Bei manchen Investoren und Käufern löst das Zukunftsängste aus. “Bisher gilt lediglich de facto in Velden bis Ende 2018 ein Baustopp, dort ist man jetzt dabei, den Bebauungsplan zu überarbeiten”, erklärt Günther Seidl, Inhaber von Seidl Immobilien. “Aber andere Gemeinden wollen nachziehen, auch wenn man bisher noch nichts Konkretes weiß”.

Bis diese Details geklärt sind, werden derzeit am See zunächst einmal die bereits fertiggestellten Einheiten in den Luxus-Wohnanlagen verkauft. “Dazu gehören beispielsweise das Laisseefaire und das Hermitage”, nennt Seidl zwei Anlagen mit Eigentumswohnungen mit Seezugang, die gerade zwischen Pörtschach und Krumpendorf beziehungsweise in Dellach fertig werden. Verlangt werden hier – ähnlich wie im ebenfalls gerade fertigen Marina Village-Apartements – um die 12.000 Euro pro luxuriösem Wohnquadratmeter. Was bis zu ein Viertel mehr ist als noch beim letzten fertiggestellten Luxusprojekt, wie Seidl erklärt: “Im Vergleich dazu lagen die Preise bei den Rosenhof-Residenzen im vorigen Jahr noch bei 10.000 Euro auf den Quadratmeter.”

Villen unter der Hand verkauft

Für eine derartig überschaubare Anzahl von Mitbenutzern der Strandbar, des Stegs un der Liegen seien einige bereit, auch 6000 Euro mehr für den Quadratmeter auszugeben, “statt sich 200 Quadratmeter Seegrund mit 50 Wohnungsbesitzern zu teilen”. Der ganz große Traum sei natürlich immer der von der eigenen Villa mit Seezugang. “Aber das ist ganz schwierig. Wenn es da etwas gibt, wird es meist unter der Hand verkauft”, weiß Seidl. Die Kosten die dafür am Wörthersee mittlerweile aufgebracht werden müssen, schrecken häufig auch die solventesten Interessenten ab. “Ein echtes Seehaus mit 1000 Quadratmetern Grund gibt es nicht unter vier Millionen, die letzten beiden sind um über fünf Millionen verkauft worden”.

 

Hier können Sie den Artikel im Original lesen.

Source: Die Presse, 09./10. Juni 2018

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